Stimmiges Miteinander

Bachs Matthäuspassion in der Herrenhäuser Kirche

VON THORSTEN FISCHER

Die Herrenhäuser Kirche bot Sonnabendabend passend zum nahenden Osterfest das Podium für eines der herausragendsten geistlichen Werke der Musikgeschichte, die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Die Hannoversche Hofkapelle, die Kantorei Herrenhausen sowie der Knabenchor Hannover unter der Leitung von Martin Ehlbeck bewiesen dabei eine musikalisch fruchtbare Partnerschaft. Nicht nur wegen der historischen Aufführungspraxis war der Besuch dieses Konzertes äußerst lohnend. In dem ohnehin klein dimensionierten Gotteshaus war die geringe räumliche Distanz zwischen Zuhörern und Musizierenden ein großes Plus. So ließen besonders die Solisten den dramatischen Stoff der Passion spürbar werden.

Allesamt konnten sie nicht nur rein stimmlich überzeugen, sondern füllten die jeweiligen Rollen mit großem Einfühlungsvermögen aus. Wunderbar ergänzten sich Immo Schröder als Evangelist (Tenor) mit Albrecht Pöhl (Bass) und Michael Humann (Bass), in dem sie ihre Partien immer mit der rechten musikalischen Ausdrucksweise versahen. Das Ergebnis war eine angenehme Spannung, die auch nach der Pause von allen Ausführenden aufrechterhalten wurde. Auch Orchester und Chor zeigten sich in jeder Phase des ausgedehnten Werkes vital und erzeugten mit ihrer Artikulation und Dynamik stets eindringliche Bilder des Passionsgeschehens.

Ein stimmiges Zusammenwirken, das Lust darauf macht, mehr von den Ensembles zu hören.

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 18. April 2011